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Der kleine Geist der Gernegroßen
4. Dezember 2016
Kleo11(k)
Ich denke, also bin ich
7. Februar 2017
schweigen

Was sich überhaupt sagen lässt, das lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. (Ludwig Wittgenstein)

W ittgensteins historisches Verdienst war es, der großen Bedeutung der Sprache für die philosophische Erkenntnis zum Durchbruch verholfen zu haben (linguistic turn). Er hat sich dann zeitweise verrannt, weil er (s.o.) eine Klarheit und vor allem Eindeutigkeit von sprachlich geäußerten Gedanken verlangte, die ihnen kaum je zukommt, da Sprache immer nur auf dem Hintergrund des Weltwissens oder auch der Weltsicht von Sender und Empfänger funktioniert. Ein simpler Satz wie Gras ist grün verlangt (nicht nur für Farbenblinde) zumindest nach einer Definition von grün, etwa so: Farbreiz, der vom Menschen wahrgenommen wird, wenn Licht mit Wellenlängen zwischen  520 und 565 Nanometer auf die Netzhaut des Auges fällt. Ist dies aber eine Eigenschaft des Grases? Selbstverständlich nicht. Und können wir wissen, wie Menschen aus ihrer Erste-Person-Perspektive diesen Farbreiz, den wir gewöhnlich grün nennen, empfinden? Damit sind wir bereits beim sogenannten Erklärungslückenproblem, das uns mitten hineinführt in die Philosophie des Geistes. Alles, so scheint es, hängt mit allem zusammen. Vielleicht ist es da wirklich besser, sich in goldenes Schweigen zu hüllen.