schweigen
Schweigen ist Gold
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Der Anfang vom Lied
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»Wir können ohne Weiteres annehmen, dass es keinen Gott gibt, keinen Himmel und keinen Körper. Aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir Derartiges denken, nichts sind. […] Deshalb ist die Erkenntnis Ego cogito, ergo sum von allen die erste und sicherste«. (René Descartes)

S oweit das berühmte Cogito-Argument: Ich denke, also bin ich. Später heißt es dann noch in Descartes` sechster Meditation, leicht gekürzt: »Und obwohl ich nun vielleicht einen Körper habe, der mit mir sehr eng verbunden ist, so ist doch so viel sicher: Ich bin von meinem Körper wirklich unterschieden und kann ohne ihn existieren

Das klingt gut! Allerdings glauben Hirnforscher, Humanbiologen und Entwicklungspsychologen, beweisen zu können, dass das bewusste Ich einem gegebenen Menschen x gleichsam zuwächst. Anders gesagt: Das bewusste Ich entsteht, wächst und verändert sich mit dem Körper x. Ein unbewusstes Selbstempfinden, das sogenannte Kernselbst, ist demnach bereits in den ersten Lebensmonaten vorhanden, wenn der Säugling in Kontakt mit der Außenwelt tritt. Mit 15 Monaten erkennen sich Babys im Spiegel. Im Alter von zwei oder eher drei Jahren entsteht dann das bewusste Selbstkonzept, mit dem auch die Erinnerung einsetzt.

Glaubt man den empirischen Wissenschaften, wäre also auch die gern gestellte Frage »Warum wurde ausgerechnet ich zu ausgerechnet dieser Zeit an ausgerechnet diesem Ort geboren?« vollkommen sinnlos. Stattdessen: Zum Zeitpunkt z wird am Ort y der Körper x geboren und entwickelt ein Ich-Empfinden. Fertig! Von Descartes` Cogito-Argument bliebe dabei letztlich die Erkenntnis übrig: Ich denke, also existiert ein denkendes Ich, im Sinne von: Es fällt Schnee, also schneit es.